Viele von uns schätzen die Sommerzeit: morgens halbleere Busse und Züge, weniger Stau auf den Strassen – wenn man nicht gerade in den Süden fährt - und an den Take Aways gibt’s kürzere Warteschlangen. Wir nutzen dieZeit, um für mehrere Wochen in die wohlverdienten Ferien zu fahren. Das Arbeitsvolumen hält sich in vielen Unternehmen in Grenzen, Überstunden können abgebaut werden.
Endlich steht auch genügend Zeit zur Verfügung, den einen oder anderen Roman hervorzuholen, sich sportlich zu betätigen, um beispielsweise für die kommende Meisterschaft fit zu bleiben. Natürlich ist auch das Internet eine willkommene Freizeitbeschäftigung. Dass man hierbei zuweilen auf Kurioses stösst, zeigt das Beispiel der Stadt Bern: Hier soll eine neue Sprachregelung eingeführt werden, wonach „geschlechterfeindliche“ Begriffe wie Fussgängerstreifen von der Stadtberner Landschaft verschwinden sollen. Die städtischen Angestellten sollen in Zukunft geschlechtsneutrale Begriffe wie Zebrastreifen verwenden. Für Interessierte: Nachzulesen im „Sprachleitfaden für die Stadtverwaltung der Berner Stadtregierung“.
Ein Blick auf die Website des Bundes kann ja ab und zu auch nicht schaden, dachte ich mir. Hängengeblieben bin ich dann an einem Artikel über das Thema Jugendförderung. Jugendförderung hat viele Facetten, hat aber das stets gleiche Ziel, sei es im Sport, in der Musik oder in der Pfadi: Jugendliche sollen sich Eigenverantwortung und Eigenständigkeit aneignen. Sozialkompetenzen wie Team-, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit sowie Unternehmergeist sollen dadurch von den Jugendlichen erlernt werden. Der Bund, so lese ich weiter, will nun die so genannte offene Jugendarbeit verstärkt finanziell unterstützen. Hört sich toll an, hat aber einen gewichtigen Haken: Offene Jugendarbeit grenzt sich von verbandlichen oder schulischen Formen von Jugendarbeit dadurch ab, dass ihre Angebote ohne Mitgliedschaft in der Freizeit genutzt werden können. Verbände wie auch Vereine bleiben somit in diesem Fall auf der Strecke.
Eine an sich gut gemeinte Verbesserung der Jugendförderung könnte also die Anstrengungen der Verbandstätigkeiten, welche hauptsächlich auf dem Milizprinzip basieren, unterwandern. Miliz heisst freiwilliges Engagement.Ein Verein wie der STV Baden steht und fällt mit dem Milizprinzip. Es gibt verschiedene Gründe sich für einen Verein zu engagieren: Man verpflichtet sich für eine Aufgabe, um direkten Nutzen zu schöpfen, bspw. weil einem die entsprechende Arbeit gefällt, weil man dabei etwas lernen kann, oder weil man die menschlichen Kontakte, die sich dabei ergeben, schätzen lernt. Oder jemand engagiert sich, um dadurch Anerkennung und Würdigung durch das gesellschaftliche Umfeld zu gewinnen. Es ist somit zu wünschen, dass die an sich gut gemeinte Jugendförderung in Zukunft nicht zu Lasten der (sportlichen) Verbands- und Vereinstätigkeit geht.